Wie kommt es zur kapitalen Erschöpfung?

Warum arbeiten Menschen so lange, bis nichts mehr geht? Merken sie nicht, wie es mit ihren Kräften bergab geht? Warum treten sie nicht langsamer und legen eine Pause ein? Und weshalb schaffen es andere, im Gleichgewicht zu bleiben? Solche Fragen drängen sich mit Blick auf die Erkrankungszahlen beim Burnout-Syndrom auf. Hier können Sie lesen, warum es selten ein Mangel an Einsicht ist, wenn Menschen in einen Burnout geraten.

Von außen betrachtet bräuchten Burnout-Gefährdete nur etwas langsamer zu treten.

„Einfach mal ausschlafen und sich was Gutes tun!“

An guten Ratschlägen mangelt es den Leuten selten, wenn sie jemand im Hamsterrad sehen. Schnell „wissen“ sie genau, was zu tun ist. Wer auf einen Burnout zusteuert, ist in einem massiven Dilemma, einem Zielkonflikt. Schlafen muss man. Das weiß jeder. In den Urlaub fahren sollte man auch. Ebenfalls bekannt. Weil alle wissen müssten, dass der Mensch keine Maschine ist, stellen viele solche und ähnliche Fragen:

  • Warum arbeiten viele bis zum Umfallen?
  • Weshalb sind in durchgetakteten Lebensführungen keine Pausen eingeplant?
  • Können diese Menschen ihr Überforderungsgefühl nicht wahrnehmen?
  • Was führt in die Erschöpfungsspirale?

Wie immer bei komplexen Fragestellungen ist auch hier die Antwort nicht einfach.

Bei der Betrachtung des Ausgelaugtseins müssen wir viele Faktoren berücksichtigen.

Symptomorientierte Betrachtung: nur die Oberfläche

„Ich bin so erschöpft, Herr Doktor. Ich kann nicht mehr.“ – „Treten Sie langsamer, Sie überfordern sich. Ihr Blutdruck spricht Bände. Auch Ihre Blutwerte waren schon einmal besser. Die Feierabendbiere lassen Sie am besten mal ganz weg. Sie haben ein Erschöpfungssyndrom.“

Erschöpfungssyndrom.

Beim Arztbesuch wegen eines Erschöpfungszustandes ist der symptomorientierte Blick auf den Patienten einerseits für die Anamnese wichtig, keine Frage. Die Symptome bei einem Erschöpfungszustand sind aber nur ein Teil der Entstehungsgeschichte (das Wort Krankheitsgeschichte steht bewusst in Klammern, dazu an anderer Stelle mehr.)

Die Symptome eines massiven Erschöpfungszustandes sind im Zeitstrahl der Entwicklung chronischer Erschöpfung weit hinten zu sehen. Da ist vorher schon viel passiert, was der Gesundheit geschadet hat.

Lösungsorientierte Betrachtung bringt Zusammenhänge ans Licht

Die lösungsoriente Betrachtung eines Erschöpfungszustandes zeigt wesentliche Ursachen für das Ansammeln von Erschöpfung. Hier wird deutlich, dass die Menschen nicht blind bis zum Umfallen arbeiten, weil sie sich dafür entscheiden. Es liegt eine andere Dynamik dahinter. Personen mit der Neigung zur Selbstüberforderung haben hohe Ansprüche an sich. Sie versprechen sich – und auch ihren Mitmenschen – Lösungen, wollen sich im besten Sinne nützlich machen.

Sobald sie das Maß für gesunde Erschöpfung aus den Augen verlieren und sich erschöpfen, legen sie noch „eine Schippe drauf.“ Hier liegt das Dilemma von Menschen, die „sehenden Auges“ in die Selbstaufgabe und den Erschöpfungszustand laufen. Sie fühlen sich defizitär, sobald sie Grenzen bemerken. Sie unternehmen ununterbrochen Lösungsversuche nach demselben Format, das sie immer weiter in die Erschöpfungsspirale treibt.

Hochachtung für erschöpfte Menschen: Selbst-Hochachtung!

Der erste Schritt aus der destruktiven Erschöpfungsspirale ist die bewusste Selbstachtung. Warum ausgerechnet das?

Wie soll ein Mensch sich achten, obwohl er sich überfordert hat? Die Antwort ist: nicht „obwohl“, sondern weil er sich überfordert hat, benötigt der Mensch Selbstachtung in hohem Maße. Das Umfeld ist meistens eher mit Mahnungen dabei. Achte auf dich. Nimm dir nicht zuviel vor. Doch diese Appelle sind wirkungslos, weil in der Welt der Überforderung die Forderung eine wichtig Rolle spielt. Es ist die Forderung nach dem Beweis, nach Leistung, nach Haltung usw.

Wir sind uns darin einig, dass Menschen mit einem Bekenntnis zur Leistung und mit einer Haltung von Pflichtbewusstsein und Verantwortung uneingeschränkte Achtung verdienen? Sehr gut. Dann gilt das auch für Sie, wenn Sie zu den überfordertern Personen zählen, die im Internet nach den Ursachen für Erschöpfung suchen. Achten und wertschätzen Sie sich ab jetzt und für alle Zeiten, weil Sie hohe Ansprüche an Ihren Beitrag zum Leben haben.

Machen Sie es wie der Indianer, der sich auf einer Reise auf einen Stein setzt, damit die Seele nachkommen kann.

Vorwürfe aus dem persönlichen Umfeld

Erschöpfte Personen können irgendwann das Maß für ihre Verausgabung verlieren. Auch die finanziellen Investitionen in vermeintliche Lösungen können ein Ausmaß erreichen, das einen Haushalt oder sogar einen Familienbetrieb in Bedrängnis bringt.

Die Folgen der Verausgabung, speziell der finanziellen Verluste durch Fehlinvestiionen, erhöhen den Druck, der von außen kommt. Ein Umfeld, das Druck macht, von der einen Seite. Die innere Anspruchshaltung der erschöpften Person von der anderen Seite bzw. aus sich selbst heraus.

 

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